Wie wir den schnellsten Online-Kredit in Ungarn einführten

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Die Leichtigkeit, mit der Verbraucher bereit sind, ihre traditionellen Lieferanten zu verlassen und auf neue digitale Dienstleitungen umzusteigen, zwingt herkömmliche Banken mit Filialstruktur dazu, ihr Angebot an die modernen Trends anzupassen. Hierzu zählen u. a. neue Kreditvergabeverfahren, die ohne direkten Kundenkontakt auskommen. Bisher war die Kreditvergabe ein an die Papierform gebundener Prozess, in dessen Verlauf auch die Identität des Kunden anhand amtlicher Ausweisdokumente manuell überprüft wurde. Neue digitale Lösungen ermöglichen allerdings auch in diesem Bereich eine Verlagerung.

Die ungarische K&H Bank, ein Mitglied der belgischen KBC-Gruppe, zu der bspw. auch die tschechische Handelsbank ČSOB gehört, bietet neuerdings sog. papierlose Kredite an. Abgewickelt werden diese über von unserem Unternehmen in Zusammenarbeit mit EY bereitgestellte Impresto-Plattform. Impresto basiert auf den Erfahrungen mit einem ähnlichen System, das bei der tschechischen Bank Česká spořitelna bereits erfolgreich läuft. Ihr papierloser Kredit ist das erste ausschließlich digitale Produkt seiner Art, das wir bereitgestellt haben.

Ziel des Projekts ist es, seinen eigenen Kunden und Kunden konkurrierender Banken die Möglichkeit zu geben, bequem und schnell von zu Hause aus Finanzmittel zu erhalten, ohne eine Filiale besuchen zu müssen oder auf die Zusendung von Dokumenten zur Unterzeichnung per Kurier warten zu müssen – mit Kreditgenehmigung und Auszahlung auf das Konto innerhalb von 15 Minuten.

Der gesamte Kreditbeantragungsprozess erfolgt in fünf einfachen und verständlichen Schritten. Der Kunde benötigt dazu lediglich einen Computer, der mit Webcam und Internetzugang ausgestattet ist. Nach Auswahl des Kreditbetrages und Eingabe der personenbezogenen Daten erfolgt die Identifizierung per Video, die extern über Facekom erfolgt. Der Kunde zeigt dem Berater via Kamera zwei amtliche Ausweisdokumente zur Kontrolle der Angaben, die im ersten Schritt erforderlich sind. Danach stellt der Berater dem Kunden verschiedene Fragen, bspw. ob er/sie eine politisch exponierte Person ist, ob er/sie Bestands- oder Neukunde ist, usw.

Im nächsten Schritt lädt der Kunde die letzten drei Kontoauszüge jenes Girokontos in das System hoch, auf das sein regelmäßiges Einkommen überwiesen wird. Das auf der von uns entwickelten Technologie basierende System extrahiert aus diesen Kontoauszügen alle Daten, die zur Ermittlung der Kreditwürdigkeit des Kunden und zur Beurteilung seiner/ihrer Eignung für diesen Kredit erforderlich sind.

Im letzten Schritt wird der Antrag elektronisch unterzeichnet, und zwar gem. Verordnung (EU) Nr. 910/2014 des Europäischen Parlaments und des Rates über elektronische Identifizierung und Vertrauensdienste für elektronische Transaktionen im Binnenmarkt (eIDAS-Verordnung). Nach der Genehmigung wird das Geld auf das Konto des Kunden überwiesen und es werden alle Kreditunterlagen auf seinem Rechner gespeichert.

Obwohl die Banken in beiden Ländern bei solchen Projekten die gleichen europäischen Vorschriften, insbesondere die oben erwähnte eIDAS-Verordnung einhalten müssen, hat die Einführung der Impresto-Plattform in Ungarn gezeigt, dass Erfahrungen aus einem EU-Mitgliedstaat aufgrund unterschiedlicher regulatorischer Auslegungen möglicherweise nicht eins-zu-eins auf ein anderes EU-Land übertragbar sind. Ein wesentliches Kriterium ist hier beispielsweise, ob eine digitale Identitätsüberprüfung per Videokamera zulässig ist. Während dies nach tschechischer Auslegung der Vorschrift nicht zulässig ist, gilt eine solche in Ungarn als faktisch einzig mögliche.

Der Unterschied zwischen dem tschechischen und dem ungarischen Projekt bestand auch im Nachdruck, mit dem die Aufsichtsbehörde auf der Prüfung des Projekts bestand, die aufgrund ihres beispiellosen Umfangs und ihrer Komplexität dazu führte, dass die endgültige Inbetriebnahme des Systems nur mit mehrmonatiger Verspätung erfolgen konnte. Unsere Lösung hat die Prüfung letztlich jedoch ohne jegliche Beanstandung bestanden, da sie trotz der Schwierigkeit, in einer fremdsprachigen Umgebung zu arbeiten, die strengen Bank- und regulatorischen Anforderungen erfüllte.

Die K&H Bank erwägt, die Impresto-Plattform oder Elemente derselben in Zukunft auch bei weiteren Anwendungen einzusetzen, bspw. in den SB-Foyers ihrer Filialen oder im Rahmen des Internet-Bankings. Aufgrund des einzigartigen Know-hows, das wir in diesem Bereich aufgebaut haben, interessieren sich auch andere Banken in Mitteleuropa für diese Lösung zur papierlosen Kreditvergabe.

 

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